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delta radio präsentiert: Das Album der Woche
Gorillaz
Plastic Beach
Released:05.03.2010
Label:EMI Record (EMI)

Eine nicht existierende Band ist an sich schon kurios. Eine nicht existierende Band, die dann auch noch die Charts stürmt, ist doppelt eigenartig. Der beste Beweis dafür, dass dieser Unsinn aber perfekt klappen kann, sind die Gorillaz. Die melden sich jetzt mit ihrem mittlerweile dritten Studioalbum "Plastic Beach" zurück.
Das neueste Machwerk der Pseudoband kommt mit 16 brandneuen Tracks daher. Darunter auch die erste Single "Stylo", die schon Geschmack auf mehr macht. Dank eines fulminanten Spektrums an Gastmusikern besticht die neue Platte durch eine fein ausgewogene Mischung unterschiedlicher Stile. Es treffen Gegensätze wie Snoop Dog ("Welcome to the World of the Plastic Beach") und das National Orchestra of Arabic Music ("White Flag") aufeinander. Auch Mick Jones und Paul Simonon stehen für den Titel-Song "Plastic Beach" seit ihrer Zeit bei The Clash erstmals wieder gemeinsam vor dem Mikro.
Dass die Gorillaz so viel prominente Unterstützung bekommen, ist nicht verwunderlich. Denn sie haben es sich durch mühsame Arbeit verdient. 1998 wurden die fünf Figuren von Blur-Sänger Damon Albarn und Jamie Hewlett, dem Co-Autor des Comics "Tank Girl", gegründet. Kurz darauf landeten sie mit ihrem Debütalbum einen prompten Chartstürmer.
Sogar im Guinnessbuch der Rekorde sind sie als "erfolgreichster virtueller Act des Planeten" vertreten und 2008 wurden die Gorillaz dann zur populärsten Band auf Myspace gekrönt.
Die vier Charaktere haben sich mittlerweile von ihren Erfindern gelöst und ziehen ihr eigenes Ding durch. Bester Beweis ist "Plastic Beach". Die Band hat sich auf dieser kleinen Insel niedergelassen und lässt sich vom Bandleader Murdoc ordentlich rumkommandieren.
Das Album steht für eine abstrakte Darstellung der Welt und der Menschheit: Müll, Zerstörung und Konsum begleitet von Isolation und Versagen. Wem das alles jetzt zu abgedreht, fiktiv und durchgeknallt klingt, dem kann man nur eines empfehlen: Album anhören, genießen und von der Botschaft überzeugen lassen!
Egal, ob man nun Spaß an der Welt der Gorillaz hat oder das Ganze doch für verrückten Kram hält - die Musik ist einmalig gut: eine Reise durch Pop, Rap, Soul und Elektro, gekreuzt mit den verschiedensten Einflüssen der Kulturen. Kurzum: "Plastic Beach" ist ein musikalisches Erlebnis, das einen aus dem Alltag entführt und das man sich nicht entgehen lassen darf.

Fettes Brot
Fettes / Brot

Von sich überzeugt waren die drei Jungs von Fettes Brot ja eigentlich schon immer, aber jetzt wollen sie es wirklich wissen! Gleich zwei Alben veröffentlichen sie an einem Tag. Bei der Namensfindung zeigen sich Björn, Boris und Martin allerdings wenig kreativ. Das blaue Album hört auf den Namen "Fettes" und das orangefarbene heißt - wie sollte es auch anders sein - "Brot".

Zu hören gibt es insgesamt 31 Songs, die zum größten Teil altbekannte Hits sind. Dazu gibt es aber auch weniger populäre B-Seiten. Eines haben aber alle Songs gemeinsam, sie wurden direkt von den Konzertbühnen auf CD gepresst.

Egal, ob aus der Hurricane-Schlamm-Schlacht 2009 oder von einem der Tourkonzerte 2008 - live rocken Fettes Brot doch immer noch am besten. Den Beweis dafür liefern sie jetzt gleich in doppelt ab.

Nach 18 Jahren Bandgeschichte sind Fettes Brot nun tatsächlich erwachsen geworden. Das bedeutet aber nicht, dass Bettinas Brüste nicht immer noch mitreißen. Ganz im Gegenteil! Im neuen Gewand ist "Bettina Superpunk" noch viel spritziger und nimmt richtig Fahrt auf.

Wer sich jetzt nicht zwischen den Versionen "Brot" und "Fettes" entscheiden kann, der sollte am besten beide nehmen! Denn eigentlich kann weder auf die Songs "Jein", "An Tagen wie diesen" oder "Schwule Mädchen" (auf der blauen Platte), noch auf "The Grosser", "Emanuela" oder den Klassiker "Nordisch by Nature" (auf der orangenen Platte) verzichtet werden.

Stereophonics
Keep Calm And Carry On

Das letzte Lebenszeichen der Stereophonics liegt schon wieder zwei Jahre zurück. Damals hatten die Waliser mit "Decades In The Sun: Best Of Stereophonics" das erste Best-Of-Album ihrer bis dahin 10jährigen Band-Geschichte veröffentlicht. Jetzt bringen die Jungs ihr mittlerweile siebtes Studioalbum auf den Markt. Am 26. Februar wird "Keep Calm And Carry On" in Deutschland veröffentlicht; in Großbritannien steht das gute Stück schon seit November in den Läden.

Nach dem Rückblick beim letzten Album wollten die Stereophonics jetzt quasi noch mal alles auf Anfang setzen. Gitarrist und Sänger Kelly Jones hat verraten, dass es das Ziel war "ein Album aufzunehmen, das sich wie ein Debüt anfühlt". Und das ist ihnen auch gelungen:
Die zwölf Songs auf "Keep Calm And Carry On" klingen definitiv anders, weil sie deutlich minimalistischer sind als die der vorherigen Platten. Aber auch wenn der Stil komprimiert wurde, haben die Songs nicht an Qualität verloren. Gerade durch die gefühlvolle Stimme von Kelly Jones bleiben die Stereophonics einfach unverändert großartig. Den Beweis tritt auch die Vorab-Single „Innocent“ an, die seit dem 19. Februar als Appetit-Happen in den Läden steht.

Der Albumtitel ist übrigens wörtlich zu verstehen. "Keep Calm And Carry On" - also "Bleib ruhig und mach weiter" passt laut Kelly einfach perfekt zu den zwölf Songs: "Als ich die Songs dann genauer betrachtete, erkannte ich, dass im Verlauf dieser Stücke ebenfalls gewisse Situationen auftreten und Dinge passieren, es aber trotzdem weitergeht - und so wurde aus diesem Spruch eine Art roter Faden für das Album."

Wäre "Keep Calm And Carry On" wirklich das Debüt-Album der Stereophonics, würden wir ihnen auf jeden Fall eine große Karriere voraus sagen. Von daher: Alles richtig gemacht, die Herren!

HIM
SCREAMWORKS: LOVE IN THEORY AND PRACTICE

Zweieinhalb Jahre nach der Veröffentlichung ihrer letzten Platte "Venus Doom" melden sich die Finnen von HIM zurück.
Auf ihrem mittlerweile siebten Studioalbum "SCREAMWORKS: LOVE IN THEORY AND PRACTICE" warten insgesamt 13 neue Tracks. Mit dabei ist auch die Vorabsingle „Heartkiller“, die seit Anfang Februar schon Appetit auf mehr macht. Aber auch viele andere Songs des Albums haben Hitpotential und können sich durchaus Hoffnung machen, in den Genuss einer Singleauskopplung zu kommen.

Insgesamt bieten HIM im Vergleich zu ihrem letzten Album diesmal auch etwas fröhlichere Klänge, bis hin zu Besinnlichem, wie z.B. beim Song "Katherine Wheel". Doch auch der gewohnt düstere Metalsound kommt nicht zu kurz wie "Like St. Valentine" beweist. Ville Valo und Co bieten also eine bunte Mischung an musikalischer Vielfalt und das, ohne dabei den bewährten HIM-Sound aus den Augen zu verlieren.

Den Anstoß für den Weg in neues Terrain hat unter anderem Produzent Matt Squire gegeben. Nachdem er bereits sehr erfolgreich mit Bands wie Panic At The Disco und The Used zusammen gearbeitet hat, durfte er nun zum ersten Mal auch für HIM an den Reglern stehen.
Ergebnis dieser brillanten Zusammenarbeit ist ein abwechslungsreiches, aber insgesamt großartig homogenes Album, das das Zeug zu einem der erfolgreichsten HIM-Alben überhaupt hat.

Moneen
"The World I Want To Leave Behind"

Alle guten Dinge sind vier! Auf jeden Fall für die kanadische Band Moneen, die es mit ihrem mittlerweile vierten Album nun schaffen will, endlich auch Europa zu erobern. Dabei setzen sie mit "The World I Want to Leave Behind" auf ihren typischen Sound, der sich irgendwo zwischen Emo, Indie und Hardcore bewegt und mit dem Stil von Jimmy Eat World vergleichbar ist.

Alteingesessene Fans kommen bei lauten Songs wie "The Monument" voll auf ihre Kosten. Allerdings versuchen Moneen sich nun verstärkt auch an sanfteren Tönen, wie beispielsweise bei "The Way" oder "Waterfalls". Letzterer bekommt durch den gekonnten Einsatz von Streichern als Begleitung eine besondere Atmosphäre verliehen, ohne dabei kitschig zu wirken.

Den Mut zu neuen Klängen haben Moneen eventuell der Neubesetzung hinterm Schlagzeug zu verdanken. Drummer Steve Nunnaro ist nämlich das erste Mal auf einer Platte mit am Start.

Als Produzenten haben sich Moneen Dave Bottrill dazu geholt, der bereits mit bekannten Größen wie Placebo und Muse zusammen gearbeitet hat. Eine Entscheidung, die sich gelohnt hat. Denn Moneen ist es gelungen, sich mit "The World I Want To Leave Behind" weiterzuentwickeln, ohne dabei komplett von dem abzurücken, was den Fans schon an früheren Alben gefallen hat. Die Platte ist ein echter Geheimtipp, der auf jeden Fall das Potential hat, der Band den erhofften Durchbruch in Deutschland zu ermöglichen.

Tegan & Sara
Sainthood

Das kanadische Duo Tegan & Sara ist in Deutschland immer noch nur einer kleinen, aber stetig wachsenden Fangemeinde bekannt. Obwohl die eineiigen Zwillinge mittlerweile schon fünf Alben veröffentlicht haben und nun ihr sechstes Werk "Sainthood" erscheint, gelang den beiden noch nicht der ganz große Sprung.

"Sainthood" soll jetzt aber dabei helfen, dass die Mädels auch hierzulande den Erfolg bekommen, der ihnen gebührt. Dass Tegan & Sara Musik machen, die auch massenkompatibel ist, haben sie mit ihren Songs in der Arzt-Serie "Grey’s Anatomy" bewiesen.

Jetzt soll der große Durchbruch gelingen und dafür haben die Schwestern für "Sainthood" gleich dreizehn Songs eingespielt, die textlich hauptsächlich von Liebe in all ihren Formen handeln. Musikalisch ist dabei ein Songwriter-Album mit tollen Melodien und einem gelungenen Mix aus Rock, Pop und elektronischen Elementen entstanden. Der Opener "Arrows" eröffnet mit frischen Sounds, die erste Single „Hell“ beweist die Energie der Mädels und "Don't Rush" ist eine gelungene Kombination aus Elektro-Klängen und Melodie.

Was die Produktion des Albums angeht, haben sich Tegan & Sara professionelle Hilfe mit ins Boot geholt: Chris Walla, der Gitarrist von "Death Cab For Cutie" hat hier die Fäden in der Hand gehalten. Von daher kann eigentlich kaum noch was schief gehen. Mit "Sainthood" liefern Tegan & Sara ein sehr eingängiges Album ab, das uns beeindruckt.

Lostprophets
The Betrayed

Ganze vier Jahre mussten wir sehnsüchtig auf die neue Platte „The Betrayed“ von den Lostprophets warten, aber nun steht das vierte Album der Waliser ab dem 29. Januar 2010 in den Läden. Der Grund für die lange Wartezeit waren wohl die Probleme, mit denen die Lostprophets während des Entstehungsprozesses zu kämpfen hatten. Die Veröffentlichung des Albums wurde daher fünfmal verschoben– und das, obwohl die Jungs schon Mitte Oktober die Vorab-Single „It’s Not The End Of The World, But I Can See It From Here“ in Großbritannien veröffentlicht haben.
Offenbar sind die Lostprophets einfach Perfektionisten. Denn nach mehreren Versuchen mit unterschiedlichen Produzenten landete das bisherige Material der Jungs in der Tonne und sie machten sich auf den Weg von L.A. zurück in die Heimat. Dort wurden im alten Proberaum der Band neue Songs geschrieben und als alle zufrieden waren, ging es wieder in die USA zurück, wo Bassist Richardson diesmal als Produzent einsprang. Trotz oder vielleicht gerade wegen der anfänglichen Schwierigkeiten ist ein unheimlich gutes Album entstanden, das den erfolgreichen Vorgängern in nichts nachstehen wird.

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